Menschen. Geschichten. Muay Thai.
Hinter jedem Gym, jedem Kampf und jeder Veranstaltung stehen Menschen, Erfahrungen und Geschichten, die im Alltag oft nur am Rand sichtbar werden.
Im MT-LVH Magazin geben wir ihnen mehr Raum: für persönliche Wege, besondere Begegnungen, Einblicke hinter die Kulissen und die Menschen, die Muay Thai in Hessen mitgestalten.
Zwischen Ring und Notaufnahme –
Nora Schenck über Muay Thai, Medizin und die Verantwortung für Gesundheit
Kämpferin. Ärztin. Ringärztin.

Bei Nora Schenck kommen gleich mehrere Perspektiven auf den Muay-Thai-Sport zusammen – und jede davon würde für sich bereits genügend Stoff für eine Geschichte bieten.
Für uns in Hessen ist ihre Geschichte noch einmal besonders: Nora ist Teil der hessischen Muay-Thai-Szene und eine Frau, die nicht nur selbst in den Ring steigt, sondern gleichzeitig beruflich genau das Wissen mitbringt, das gefragt ist, wenn es dort ernst wird.
Dabei begann alles erstaunlich unspektakulär.
Ein Mitbewohner fragte damals die ganze WG, ob jemand Lust hätte, Muay Thai auszuprobieren. Nora war die Einzige, die zusagte.
„Ich war tatsächlich die einzige die zugesagt hat und bin nach wie vor sehr glücklich darüber.“
Aus diesem einen Ja wurde weit mehr als ein Hobby. Muay Thai beeinflusste ihre Berufswahl, Nora entschied sich für die Unfallchirurgie und übernahm schließlich auch Verantwortung als Ringärztin.
Heute kennt sie den Sport aus einer Kombination von Perspektiven, die selten ist: Sie weiß, wie es sich anfühlt, selbst im Ring zu stehen und unbedingt weiterkämpfen zu wollen – und sie besitzt gleichzeitig das medizinische Wissen und die Verantwortung, einem anderen Menschen genau das im entscheidenden Moment zu verbieten.
Vom Muay Thai in die Unfallchirurgie
Nora begann in den letzten Semestern ihres Medizinstudiums mit Muay Thai.
Der Sport wurde dabei sogar zu einem der Faktoren, die ihre spätere berufliche Entscheidung beeinflussten. Sie entschied sich für die Unfallchirurgie – eine Fachrichtung, deren Wissen auch im Kampfsport unmittelbar relevant ist.
Irgendwann kamen beide Welten ganz praktisch zusammen.
Bodyshock fragte Nora im Rahmen einer Gala, ob sie nicht auch als Ringärztin dabei sein möchte. Medizinische Betreuung werde schließlich immer benötigt.
Sie sagte zu.
Damit wurde aus der Kämpferin und Ärztin auch eine Ringärztin.
Was auf dem Papier nach drei unterschiedlichen Rollen aussieht, ergänzt sich in der Praxis erstaunlich gut. Denn Nora bringt an den Ring nicht nur medizinisches Fachwissen mit. Sie versteht aus eigener Erfahrung, was in einem Kämpfer vorgeht.
Adrenalin. Ehrgeiz. Stolz.
Nora kennt all das nicht aus Lehrbüchern oder aus der Beobachterperspektive. Sie kennt es aus dem eigenen Kampf.
Und genau das hat ihren Blick auf beide Rollen verändert.
Durch ihre medizinische Arbeit hat sie gelernt, auch beim eigenen Training und Kämpfen ihre Gesundheit stärker zu priorisieren.
Gleichzeitig entwickelte sie mehr Verständnis für Ringärztinnen und Ringärzte, die einen Kampf abbrechen –
sogar dann, wenn sie selbst die Kämpferin ist und eigentlich weitermachen möchte.
Eine solche Situation hat sie bereits erlebt.
Das macht ihre Perspektive bemerkenswert: Nora kennt nicht nur die Verantwortung der Person, die eine medizinische Entscheidung trifft. Sie kennt auch die andere Seite – den Moment, in dem jemand diese Entscheidung für einen selbst trifft.
Und gerade dort prallen zwei völlig unterschiedliche Logiken aufeinander.
Der Kämpfer denkt an den Kampf.
Die Ringärztin muss an das denken, was danach kommt.
Kampfsportverständnis in der Notaufnahme
Auch außerhalb des Rings beeinflusst Muay Thai Noras Arbeit.
Wenn verletzte Kampfsportler als Patienten in die Notaufnahme kommen, erlebt sie immer wieder, dass sie sich darüber freuen, auf eine Ärztin zu treffen, die ihren Sport versteht.
Keine Person, die ihnen zunächst entgegenhält, wie gefährlich Kampfsport doch sei und warum man so etwas überhaupt mache.
Sondern eine Ärztin, die weiß, warum Menschen diesen Sport lieben – und die trotzdem medizinische Risiken klar benennen kann.
Umgekehrt nimmt Nora etwas aus dem Muay Thai mit in ihren Berufsalltag.

Leider gehören aggressive Patienten auch in medizinischen Einrichtungen zur Realität. Nora berichtet, dass Kolleginnen und Kollegen froh darüber sind, in solchen Situationen jemanden an ihrer Seite zu haben, der auch bei körperlicher Aggression einen kühlen Kopf bewahren kann.
So wirkt die Verbindung zwischen Medizin und Muay Thai in beide Richtungen.
Der Beruf verändert ihren Blick auf den Sport.
Und der Sport gibt ihr Erfahrungen mit, die ihr im Beruf helfen.

Die Arbeit einer Ringärztin -
Für viele Zuschauer wird der Ringarzt erst sichtbar, wenn im Kampf etwas passiert.
Tatsächlich beginnt die Verantwortung wesentlich früher.
Vor einem Kampf steht zunächst der Gesundheitscheck. Dabei geht es nicht darum, einen Athleten kurz anzusehen und anschließend einen Haken auf einem Formular zu setzen.
Nora fragt nach Vorerkrankungen, Allergien und Medikamenten.
Denn auch medizinische Faktoren, die für Außenstehende zunächst wenig mit einem Kampf zu tun haben, können plötzlich entscheidend werden.
Vier Worte – eine enorme Verantwortung
Auf die Frage, welche Entscheidungen eine Ringärztin manchmal innerhalb kürzester Zeit treffen muss, braucht Nora keine lange Erklärung:
„Kampf - ja oder nein.“
Vier Worte.
Und dahinter möglicherweise Wochen oder Monate Vorbereitung eines Athleten.
Ist die Person kampffähig?
Kann sie nach einem Treffer weitermachen?
Ist eine Verletzung noch vertretbar?
Oder muss der Kampf beendet werden?
Nora hat sogar schon einen Gesundheitscheck direkt im Ring durchgeführt. Zum Glück war die betreffende Kämpferin gesund. Doch genau solche Situationen zeigen, wie kurzfristig eine Entscheidung fallen kann: Bestehen medizinische Bedenken, kann es notwendig sein, einen Kampf noch in letzter Sekunde abzusagen.
Genau darin liegt ein Teil der Verantwortung dieser Funktion: Eine medizinisch richtige Entscheidung muss auch dann getroffen werden, wenn sie für alle anderen Beteiligten gerade die denkbar unerwünschteste ist.
Wenn Ehrgeiz zum Gegner der Vernunft wird
Besonders schwierig können solche Entscheidungen werden, weil Nora sehr genau versteht, was auf der anderen Seite steht.
Menschen betreiben diesen Sport mit Herzblut.
Sie haben trainiert, sich vorbereitet, Gewicht gemacht und möglicherweise wochenlang auf genau diesen einen Moment hingearbeitet.
Dann stehen sie im Ring.
Das Adrenalin ist da.
Der Ehrgeiz ist da.
Und plötzlich sagt jemand: Schluss.
„Adrenalin, Ehrgeiz und auch Stolz machen es dann schwer noch die Gesundheit im Blick zu behalten.“
Für Nora liegt genau dort die Aufgabe einer Ringärztin.
In diesem Moment muss jemand die Gesundheit im Blick behalten, gerade weil der Kämpfer selbst dazu möglicherweise nicht mehr in der Lage ist.
Und manchmal bedeutet Verantwortung auch, sich gegen Trainer durchzusetzen, die ebenfalls möchten, dass ihr Athlet weiterkämpft.
Medizinische Kompetenz allein genügt dann nicht.
Es braucht Klarheit, Ruhe und die Bereitschaft, eine unpopuläre Entscheidung zu vertreten.
Respekt beginnt beim eigenen Körper
Vielleicht überrascht es deshalb nicht, dass Nora auf die Frage nach einem guten Muay-Thai-Kämpfer nicht zuerst mit Schlagkraft, Kondition oder technischer Dominanz antwortet.
Sie spricht über Respekt.
Respekt vor dem Gegner – aber auch Respekt vor sich selbst.
Für Nora gehört dazu, an die eigenen Grenzen gehen zu können, ohne die eigene Gesundheit vollständig dem Ehrgeiz unterzuordnen. Ein guter Kämpfer muss auch akzeptieren können, wenn die eigene Sicherheit Vorrang hat.
Gleichzeitig gilt dieser Respekt dem Menschen auf der anderen Seite des Rings.
Nora beschreibt eine ungeschriebene Regel, die viel über ihr Verständnis von Muay Thai erzählt:
Man freut sich nicht darüber, wenn die andere Person schwer verletzt ist.
Sieg hin oder her.
Denn Härte und Respekt sind im Muay Thai keine Gegensätze.
„Ansonsten ist es kein Sport, sondern nur Prügeln.“
Sicherheit, Verantwortung und Fairness sind für Nora deshalb keine netten Begleiterscheinungen eines guten Kampfsportevents.
Sie sind die Voraussetzung dafür, dass aus einem Kampf überhaupt Sport wird.
Gerade weil Muay Thai ein harter Vollkontaktsport ist, braucht es Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Trainer.
Referees.
Officials.
Und medizinisches Personal, das im entscheidenden Moment nicht danach beurteilt, wer gewinnen möchte, sondern danach, was gesundheitlich vertretbar ist.
Nora übernimmt diese Verantwortung – und weiß gleichzeitig aus eigener Erfahrung, wie schwer es einem Kämpfer fallen kann, sie zu akzeptieren.
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Frauen, die ihren Platz im Muay Thai einnehmen
Eine Entwicklung beobachtet Nora mit besonderer Begeisterung:
Immer mehr Frauen finden ihren Platz im Muay Thai.
Und zwar längst nicht mehr ausschließlich als Kämpferinnen.
Frauen stehen im Ring, leiten Kämpfe als Referees, übernehmen Verantwortung als Trainerinnen und sitzen als Ringärztinnen unmittelbar am Ring.
Nora selbst ist ein ziemlich gutes Beispiel dafür, wie wenig Sinn es inzwischen ergibt, Frauen im Muay Thai auf eine einzelne Rolle zu reduzieren.
Sie kämpft.
Sie arbeitet als Ärztin in der Unfallchirurgie.
Sie übernimmt als Ringärztin Verantwortung für andere Athletinnen und Athleten.
Und sie bringt aus jeder dieser Rollen Erfahrungen mit, die ihren Blick auf die jeweils anderen verändern.
Gerade diese Entwicklung trägt aus ihrer Sicht dazu bei, den Sport populärer und zugänglicher zu machen – in Thailand ebenso wie in Deutschland.
Dabei wirkt ihre eigene Geschichte beinahe wie eine passende Momentaufnahme dieser Entwicklung.
Aus der einzigen Person einer WG, die damals einfach einmal Muay Thai ausprobieren wollte, wurde eine Frau aus dem hessischen Muay Thai, die heute selbst in den Ring steigt und gleichzeitig am Ring sitzt, wenn medizinische Entscheidungen getroffen werden müssen.
„Genießt es.“
Bei all der Verantwortung, den möglichen Verletzungen und den medizinischen Entscheidungen könnte man beinahe vergessen, warum Nora überhaupt noch immer so begeistert von diesem Sport ist.
Ihre Antwort an junge Kämpferinnen und Kämpfer bringt das wieder auf den Punkt:
„Genießt es.“
Genießt den Anfang.
Das Sammeln neuer Erfahrungen.
Das Wachsen an diesem Sport.
Und vor allem die Erlebnisse mit den vielen unterschiedlichen Menschen, denen man auf diesem Weg begegnet.
Denn Nora kennt beide Seiten.
Sie weiß aus medizinischer Sicht, was Muay Thai dem Körper abverlangen kann.
Und sie weiß aus eigener Erfahrung, was dieser Sport einem Menschen geben kann.
„Kurzfristig kann der Sport die Gesundheit beeinträchtigen aber längerfristig gibt der Sport einem unglaublich viel.“
Vielleicht beschreibt gerade dieser scheinbare Widerspruch Nora Schenk und ihre verschiedenen Rollen am besten.
Sie liebt einen Sport, von dessen Risiken sie mehr versteht als die meisten Menschen.
Sie steigt selbst in den Ring, obwohl sie diese Risiken kennt.
Und sie übernimmt Verantwortung dafür, dass andere Menschen ihn möglichst sicher wieder verlassen.
Gesundheit. Verantwortung. Leidenschaft.
Erstellt: 2026 von Anna Stark




Im Ring zählt jede Sekunde –
Lejla über Verantwortung, Fairness und den Blick eines Referees
Wer einen Muay-Thai-Kampf verfolgt, schaut meistens auf die beiden Menschen, die sich im Ring gegenüberstehen. Auf Technik, Taktik, Treffer und die Frage, wer am Ende die bessere Leistung zeigt.
Doch zwischen ihnen steht noch jemand.
Jemand, der nicht gewinnen kann und trotzdem vom ersten bis zum letzten Gong hochkonzentriert sein muss. Der Situationen innerhalb von Sekundenbruchteilen beurteilt, Verantwortung für die Sicherheit beider Athleten trägt und dabei jederzeit neutral bleiben muss.
Lejla ist seit Januar 2020 Referee beim MTBD. Ihr Weg dorthin begann jedoch lange vorher – mit ihrer eigenen Verbindung zum Muay Thai und zu den Thai Bombs Mannheim.
„Muay Thai und die Thai Bombs Mannheim wurden schon früher ein Teil von meinem Leben und ich wollte mich mehr einbringen.“
Für sie war die Tätigkeit als Referee deshalb auch eine Möglichkeit, dem Sport langfristig verbunden zu bleiben. Besonders die Arbeit der Kampfrichterinnen und Kampfrichter faszinierte sie.
Entscheidungen in Millisekunden
Von außen wirkt die Arbeit eines Referees manchmal selbstverständlich: Regeln überwachen, den Kampf leiten, eingreifen, wenn es notwendig wird.
Im Ring selbst ist die Aufgabe wesentlich komplexer.
„Man muss in Millisekunden komplexe Situationen richtig einschätzen und trägt gleichzeitig eine große Verantwortung für die Sicherheit und Fairness der Kämpferinnen und Kämpfer.“
Genau diese Verbindung aus unmittelbarer Nähe zum Sport, mentaler Herausforderung und Verantwortung war es, die Lejla an der Aufgabe reizte.
Denn ein Referee beobachtet einen Kampf nicht einfach. Er muss ihn lesen. Er muss erkennen, wann eine Situation Teil eines harten, aber regelkonformen Wettkampfs ist – und wann ein Eingreifen notwendig wird. Entscheidungen müssen schnell getroffen werden, ohne dabei die Neutralität zu verlieren.
Was einen guten Kämpfer ausmacht
Durch ihre Position im Ring erlebt Lejla Kämpfer aus einer Perspektive, die Zuschauern häufig verborgen bleibt.
Für sie beginnt Qualität bei einer starken technischen Grundlage: bei der sauberen, klassischen Ausführung jener Techniken, die Muay Thai für sie so faszinierend machen.
Doch Technik allein reicht nicht.
Mentale und körperliche Stärke gehören für sie ebenso dazu wie Fairness im Kampf.
Besonders spannend wird es für Lejla dann, wenn ein Kampf ausgeglichen ist und nicht allein körperliche Überlegenheit entscheidet.
Sie beschreibt jene Kämpfer, die ihren Gegner lesen, den richtigen Moment erkennen und ihre Techniken exakt dann einsetzen, wenn sich eine Möglichkeit eröffnet.
„Das ist für mich echte Kampfkunst.“
Es ist ein Blick auf Muay Thai, bei dem nicht möglichst spektakuläre Aktionen im Vordergrund stehen, sondern Präzision, Timing, Kontrolle und Verständnis für das Geschehen im Ring.
Mehr als die Person zwischen zwei Kämpfern
Officials stehen selten im Mittelpunkt einer Veranstaltung – und genau das gehört zu ihrer Aufgabe.
Ein guter Referee soll einen Kampf nicht prägen, weil er selbst Aufmerksamkeit erzeugt. Seine Präsenz zeigt sich vielmehr darin, dass ein fairer und sicherer Wettkampf überhaupt möglich ist.
Dahinter stehen Erfahrung, Regelkenntnis, Konzentration und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Lejlas Weg zeigt zugleich, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, dem Muay Thai verbunden zu bleiben und sich für den Sport einzusetzen. Nicht jeder Weg muss dauerhaft als Kämpfer in den Ring führen.
Manche führen genau in die Mitte des Rings – zwischen zwei Kämpfer.
Dorthin, wo innerhalb von Millisekunden Entscheidungen getroffen werden müssen und drei Dinge niemals aus dem Blick geraten dürfen:
Fairness. Sicherheit. Respekt.
Erstellt: 2026 von Anna Stark

Roman Stadler
Referee Obmann Baden-Wüttemberg
Ruhe bewahren, Verantwortung übernehmen – Roman Stadler über den Blick eines Referees
Ein Freund nimmt ihn mit ins Training. Ein ziemlich unspektakulärer Anfang für einen Weg, der Roman Stadler Jahre später als Referee auf Veranstaltungen in ganz Deutschland und schließlich in die Verantwortung als Kampfrichterobmann für Baden-Württemberg führen wird.
Seit 2013 ist Roman im Muay Thai aktiv.
Nach seinem Umzug nach Mannheim führte ihn ein Freund in die Martial Arts Academy Mannheim. Heute steht er längst nicht mehr nur selbst im Training: Er übernimmt Trainingseinheiten, ist als Kampfrichter unterwegs und engagiert sich als Kampfrichterobmann.
Damit kennt er Muay Thai aus unterschiedlichen Perspektiven – aus dem Gym, unmittelbar aus dem Ring und aus einer Funktion, deren Arbeit zu großen Teilen dort stattfindet, wo Zuschauer sie kaum wahrnehmen.
Der Blick eines Referees
Wer regelmäßig als Referee im Ring steht, erlebt Kämpfe aus einer besonderen Perspektive.
Roman sind dabei vor allem jene Momente im Gedächtnis geblieben, in denen ein Kampf scheinbar bereits eine klare Richtung eingeschlagen hatte – und sich dann doch noch einmal vollständig entwickelte.
„Ich habe habe Kämpfer gesehen, die zunächst im Nachteil zu sein schienen und viel kassiert haben. Sie haben sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen lassen und haben ihre Strategie umgesetzt. Am Ende haben sie genau aus diesem Grund gewonnen.“
Für ihn sind es gerade diese Wendungen, die zeigen, wie viel mehr hinter einem Kampf steckt als reine körperliche Überlegenheit.
Ein Kämpfer muss unter Druck weiterhin wahrnehmen, denken und handeln können. Eine Strategie funktioniert nur, wenn man ihr auch dann noch vertraut, wenn der Kampf gerade nicht nach Plan verläuft.
Roman bringt es auf einen einfachen Punkt:
„Es ist beeindruckend, wie man durch gezielte Aktion das Blatt wenden und den Kampf für sich entscheiden kann.“
Verantwortung, die vor dem ersten Gong beginnt
Verantwortung, die vor dem ersten Gong beginnt
Als Kampfrichterobmann geht Romans Aufgabe über seine eigenen Einsätze als Referee hinaus.
Ein funktionierendes Kampfrichterwesen braucht nicht nur Menschen, die am Veranstaltungstag in den Ring steigen oder am Kampfrichtertisch sitzen. Officials müssen ausgebildet, eingesetzt, begleitet und weiterentwickelt werden.
Dazu gehört auch Arbeit, die das Publikum normalerweise nicht sieht: die Koordination von Referees und Judges, die Unterstützung rund um Veranstaltungen und Fightcards, der Austausch zu Regelwerk und Standards und vor allem die Frage, wie aus Interessierten langfristig erfahrene Officials werden.
Denn ohne Nachwuchs funktioniert auch das Kampfrichterwesen nicht.
Gerade deshalb hat Roman eine ausgesprochen unkomplizierte Botschaft für Menschen, die sich vorstellen könnten, selbst Referee oder Judge zu werden:
„Ihr seid herzlich willkommen. Die Community ist großartig und es gibt eine Menge Gelegenheiten in das Kampfrichterwesen einen tieferen Einblick zu erhalten.“
Der erste Schritt muss dabei offenbar gar nicht kompliziert sein.
„Geht einfach auf die Referees im Vorfeld zu. Wir beißen auch nicht...immer! 🤪“
Hinter dem Humor steckt ein wichtiger Gedanke: Ein starkes Kampfrichterwesen entsteht nur, wenn neue Menschen den Weg hineinfinden – und wenn erfahrene Officials bereit sind, ihnen diesen Weg zu öffnen.

Muay Thai gemeinsam weiterbringen
Es braucht Möglichkeiten, zuzuschauen und Fragen zu stellen. Es braucht Ausbildung und praktische Erfahrung. Und es braucht Menschen, die ihr Wissen weitergeben.
Bei der Frage nach der Zukunft richtet Roman seinen Blick schließlich über das Kampfrichterwesen hinaus.
Sein Wunsch gilt dem Muay Thai in Deutschland insgesamt:
„Ich wünsche mir, dass die Gyms und die Verbände in Deutschland mehr zusammen arbeiten würden, so dass wir gemeinsam den Sport und vor allem die Athleten weiter voranbringen können.“
Denn ein Referee steht während eines Kampfes zwischen zwei gegnerischen Ecken.
Seine Aufgabe funktioniert nur durch Neutralität, gemeinsame Regeln und gegenseitiges Vertrauen.
Auf struktureller Ebene ist es nicht völlig anders.
Gyms können unterschiedliche Wege gehen. Verbände können unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Menschen können unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie sich der Sport entwickeln sollte.
Am Ende steht jedoch derselbe Sport – und stehen vor allem die Athletinnen und Athleten, für die diese Strukturen funktionieren müssen.
Roman Stadlers Wunsch ist deshalb ebenso schlicht wie weitreichend:
Nicht nur nebeneinander arbeiten.
Sondern gemeinsam den Sport weiterbringen.
Zusammenarbeit. Entwicklung. Gemeinschaft.
Erstellt: 2026 von Anna Stark


